Kunst – ein abstrakter Begriff
Posted in Kunst, at März 21st, 2008 by SabineBei Wikipedia las ich ein paar Beispiele für abstrakte Begriffe: Mut, Röte, Liebe, Hass, Menschenwürde. Dort steht zum Verständnis auch: ~ ist ein Begriff, der benötigt wird, um eine Eigenschaft von Gegenständen oder eine Relation zwischen einzelnen Gegenständen zu definieren oder zu repräsentieren (Tatievskaya, Aussagenlogik [2003], S. 53).
Ich würde diese Liste gerne noch um das Wort “Kunst” erweitern.
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Die Diskussionen um diesen Begriff zeigen, dass jeder, wirklich jeder, der im näheren oder weiteren Sinne damit zu tun hat, diesen anders füllt, etwas anderes darunter versteht. Der Kontext der Person spielt eine Rolle, genauso wie ihre Persönlichkeit. Ob ich nun als Kunsthistoriker die Kunst im geschichtlichen Kontext zu begreifen und einzuordnen versuche, ob ich als Sammler einer sehr individuellen Leidenschaft fröne oder gesellschaftlich damit noch eine weitere Rolle bekleide, ob ich als Kurator für etwas verantwortlich zeichne, mit welchen zusätzlichen persönlichen Beweggründen auch immer, ob ich Kunst als Betrachter, als Publikum auf mich wirken lasse oder als Kreativer die Kunst lebe – jeder dieser Menschen kriegt es mit diesem – einem abstrakten – Begriff zu tun.
Unter dieser Voraussetzung wundere ich mich, wie zuweilen darüber diskutiert wird. Dass tolerant diskutiert werden müsste, daran dürfte doch, wenn man Obenstehendes unterschreibt, kein Zweifel bestehen. Aber weit gefehlt.

Die Menschen streiten nicht über “Liebe”, wenn sie sich darüber unterhalten, vorausgesetzt, sie sind kein Paar. Sie streiten auch nicht über “Mut”. Sie sagen das ist für mich keine Liebe, weil…’ oder das ist in meinen Augen besonders mutig, weil…’ – und dann tauschen sie ihre gegenseitigen Ansichten aus und kommen sich dadurch näher, erweitern ihr Verständnis füreinander. Man versteht, wenn man die Definitionen eines Menschen kennt, viel besser oder überhaupt seine Beweggründe, seine Art zu sein. Die Schlüsse, die sie daraus ziehen, sind meistens ruhiger Natur. Die Betroffenen bekommen durch ihre Aussagen entweder mehr oder weniger miteinander zu tun, aber sie bekämpfen sich verbal sicher nicht aufs Härteste, weil sie etwas anderes unter bestimmten Begriffen verstehen. Dass sie etwas anderes darunter verstehen, ist sozusagen schon die Lösung, bevor die Meinungsverschiedenheit als Problem wahrgenommen wird.


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